WLAN-Mesh als Notfunknetz
Zusammenfassung
Forscher der TU Darmstadt untersuchten 2012 per Wardriving, ob private WLAN-Router in Städten ein Notfunknetz für Ersthelfer bilden könnten. In einem halben Quadratkilometer fanden sie 1971 WLAN-Zellen; bei 30 Metern Reichweite hatte jeder Knoten im Schnitt zehn Nachbarn und nur 2 Prozent waren isoliert. Die Router bräuchten aber Mesh-Firmware und eine Stromversorgung, die bei Katastrophen durchhält.
Ideen
- Die Dichte privater Router reicht in Innenstädten für ein Mesh-Netz.
- Eine zweite, getrennte SSID könnte Notfunk neben dem privaten WLAN anbieten.
- Das Netz zerfiele in rund 50 Teilnetze, die zusätzliche Knoten koppeln müssten.
- Ein Sechstel der am besten vernetzten Knoten ließ sich ohne Topologieänderung entfernen.
Einsichten
- Vorhandene Infrastruktur kann Notfallnetze ermöglichen, wenn Software und Strom mitspielen.
- Die Stromversorgung ist bei Katastrophen der eigentliche Engpass, nicht die Funkabdeckung.
Fakten
- Der größte Cluster umfasste 71 Prozent aller Knoten.
- Bei nur 10 Metern Reichweite entstanden rund 800 Teilnetze, bei 60 Metern stieg die Nachbarzahl auf knapp 36.
- 65 der 1971 Zellen funkten bereits mit lokal administrierter MAC-Adresse, also als Teil eines Multi-SSID-Systems.
- 212 der erfassten Zellen funkten ohne Verschlüsselung, 129 mit dem unsicheren WEP.
Referenzen
Kritik
- Die Studie berechnet eine Topologie aus Beacons; ob die Verbindungen unter Last tragen, blieb ungetestet.
Bemerkungen
- Freifunk-Netze setzen ähnliche Mesh-Ideen mit OpenWrt und B.A.T.M.A.N. seit Jahren praktisch um.
Empfehlungen
- Plane Notfallkommunikation mit eigener Stromversorgung, etwa per Akku oder Solar.
- Teste Mesh-Netze unter realer Last, bevor du dich im Ernstfall auf sie verlässt.
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