AOL aus dem All: Online-Service per Satellit und TV-Kabel
Zusammenfassung
Bertelsmann Online erprobte 1996 einen AOL-Zugang, bei dem Anfragen per Modem hinausgingen und die Webdaten per Satellit zurückkamen. Empfangsgerät war die Fernseh-Decoderbox Mediabox, gesendet wurde zunächst über Astra 1F mit 2 MBit/s, später sollte auch das TV-Kabelnetz dienen. Ähnliche asymmetrische Zugänge planten Philips, Incosys und Olivetti-Hughes mit DirecPC.
Ideen
- Ein Rückkanal per Modem genügt, wenn die großen Datenmengen nur in eine Richtung fließen.
- Satelliten verteilen Webinhalte mit weit mehr Bandbreite als die damalige Telefonleitung.
- Die Mediabox verwandelte einen Fernseh-Decoder in ein Internet-Empfangsgerät.
- Die Bedienung erfolgte über eine Fernbedienung mit Zifferntasten und fünf Farbknöpfen.
Einsichten
- Asymmetrische Zugänge nahmen das spätere ADSL-Prinzip vorweg: viel Download, wenig Upload.
- Neue Zugangstechnik wird oft zuerst auf vorhandene Fernsehinfrastruktur aufgesetzt.
Fakten
- AOL betrieb 1996 bundesweit rund 60 Modem-Einwahlknoten.
- Der Versuch nutzte den Satelliten Astra 1F mit einer Kanalbandbreite von 2 MBit/s.
- Incosys und Olivetti-Hughes zeigten auf der CeBIT 1996 Satelliten-Piloten mit 192 bzw. 400 kBit/s.
Referenzen
Kritik
- Die Meldung schweigt zu Latenz und Kosten; gerade die Satellitenlaufzeit machte solche Zugänge für interaktive Anwendungen zäh.
Empfehlungen
- Bewerte Internetzugänge getrennt nach Down- und Upstream sowie nach Latenz, nicht nur nach Spitzenbandbreite.
- Plane bei Satellitenverbindungen ein, dass interaktive Protokolle unter der langen Signallaufzeit leiden.
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