6.594 Mails von meinen Servern: Was 20 Jahre Robotpost erzählen
Zusammenfassung
Beim Aufbau meines Mailarchivs fand ich einen Ordner mit 6.594 Mails, die mir Server, für die ich verantwortlich war, zwischen 2004 und 2025 geschickt haben. In Logwatch-Berichten, Cron-Ausgaben und Warnungen lässt sich ablesen, wie sich mein Serverbetrieb über zwanzig Jahre verändert hat. Der Beitrag zeigt, was diese Robotpost verrät, wann sie zur Last wurde und wie ich Überwachung per Mail heute angehen würde.
Ein Ordner voller Robotpost
In meinem Mailarchiv gibt es einen Ordner, in den nie ein Mensch geschrieben hat. Er enthält 6.594 Mails aus den Jahren 2004 bis 2025, alle verschickt von Servern, für die ich verantwortlich war: rund 2.100 Logwatch-Tagesberichte, über 4.200 Ausgaben von Cron-Jobs, 90 Berichte des Integritätsprüfers AIDE und 169 Traffic-Warnungen meines Hosters.
Für diesen Beitrag habe ich den Ordner nicht Mail für Mail gelesen, sondern automatisch gezählt: welche Berichte in welchem Jahr kamen und welche Dienste darin auftauchen. Das reicht, um zwanzig Jahre Serverbetrieb nachzuzeichnen.
Zwanzig Jahre Technik im Zeitraffer
Die frühen Berichte ab 2004 erzählen von einem typischen Server der Zeit: Apache, ein FTP-Server, Sendmail und Courier für die Mail, ClamAV gegen Viren. 2006 kommt eine iptables-Firewall dazu, ab 2007 übernimmt Exim die Mail, und Berichte über den Plattenplatz erscheinen. 2008 taucht OpenVPN auf, und ein Cron-Job wählt die DSL-Verbindung neu ein, bis 2015 sind diese Einwahl-Mails zu sehen.
Ab 2013 wechseln die Berichte zu Postfix und Dovecot. 2015 schickt SpamAssassin 188 Mails über seine Regel-Updates. In den Berichten von 2025 stehen dann Syslog-ng, Amavis, sudo-Protokolle und stündliche Sicherungen mit rsnapshot. Der Ordner ist damit ein ungeplantes Tagebuch meines Werkzeugkastens.
Was du mitnehmen kannst: Automatische Berichte sind auch Dokumentation. Wer sie aufbewahrt, kann Jahre später nachvollziehen, wann welcher Dienst kam und ging, ganz ohne gepflegtes Betriebshandbuch.
Wenn die Post zur Flut wird
Die Mengen schwanken stark. 2009 kamen 1.471 Mails, darunter 332 vom Sicherheitsprüfer Tiger und 148 von vnstat. 2018 waren es sogar 1.693 Mails, davon 1.224 allein aus anacron-Läufen, also mehr als drei pro Tag. 2025 waren es wieder über 1.000 Mails, die Logwatch-Berichte kamen da von zwölf Servern.
Ehrlich gesagt habe ich die meisten davon nie gelesen. Bei mehreren Mails am Tag wird jede einzelne zum Rauschen. Und dann fällt nicht auf, wenn eine fehlt oder wenn in einer davon endlich etwas Wichtiges steht.
Was du mitnehmen kannst: Eine Warnung, die jeden Tag kommt, ist keine Warnung mehr. Lass Jobs nur dann Mails schicken, wenn etwas schiefgeht, etwa mit dem Werkzeug chronic aus den moreutils, das die Ausgabe eines Befehls nur bei einem Fehler weiterreicht.
Die Lücke dazwischen
Zwischen 2010 und 2014 enthält der Ordner kaum Mails, manche Jahre nur eine Handvoll. Die Server haben in dieser Zeit nicht geschwiegen. Ich habe die meisten ihrer Mails damals einfach gelöscht.
Heute ärgert mich das ein wenig. Genau diese Jahre fehlen jetzt in meinem Werkzeugtagebuch, und wer nur auf den Ordner schaut, könnte meinen, es sei nichts passiert.
Was du mitnehmen kannst: Eine Lücke im Archiv beweist nichts, weder dass alles lief noch dass etwas fehlte. Wer Berichte löscht, löscht auch Geschichte. Archiviere sie lieber in einem eigenen Ordner, statt sie wegzuwerfen.
Was ich heute anders machen würde
Logwatch und Cron-Mails haben mir zwanzig Jahre lang einen Blick auf meine Server gegeben, der nichts gekostet hat. Für den Überblick sind sie bis heute gut. Für Alarme taugen sie nur bedingt.
Heute würde ich trennen: tägliche Berichte in einen eigenen Ordner, den ich bewusst ab und zu lese, und echte Alarme nur bei Fehlern, über einen Kanal, der auffällt. Und weil Überwachung per Mail nicht melden kann, dass sie selbst ausgefallen ist, bekämen wichtige Systeme zusätzlich einen regelmäßigen Herzschlag an einen Monitoringdienst, der Alarm schlägt, wenn er ausbleibt.
Was du mitnehmen kannst: Trenne Berichte von Alarmen. Berichte dürfen leise sein, Alarme müssen selten und laut sein.
Zahlen im Überblick
- Der Ordner enthält 6.594 automatische Mails aus den Jahren 2004 bis 2025.
- Darunter sind rund 2.100 Logwatch-Berichte von insgesamt 28 verschiedenen Servernamen.
- 2018 kamen 1.224 Mails allein aus anacron-Läufen.
- chronic aus den moreutils gibt die Ausgabe eines Befehls nur aus, wenn er mit einem Fehler endet.
Referenzen
Bemerkungen
- Die Zahlen stammen aus einer automatischen Zählung von Betreffzeilen und Abschnittsüberschriften; weitere Berichtsinhalte, Adressen und Hostnamen wurden nicht ausgewertet.
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