120.314 Mails aus 26 Jahren: Mein Postfach zieht ins eigene Archiv
Zusammenfassung
Im September 2026 habe ich Outlook-, Thunderbird-, Evolution- und Cyrus-Bestände aus 26 Jahren in ein lokales Mailarchiv mit Stalwart und Roundcube zusammengeführt. Am Ende standen 120.314 durchsuchbare Mails, darunter über 11.000, die längst als gelöscht galten. Der Beitrag zeigt, warum Message-IDs keine Dubletten erkennen, was Thunderbird beim Löschen wirklich tut und wie ein Archiv ohne Cloud trotzdem sicher bleibt.
Ein Vierteljahrhundert in alten Dateien
Meine Mails lagen jahrzehntelang verstreut: Outlook-Dateien im PST-, OST- und NST-Format, mehrere Thunderbird-Profile, ein Evolution-Postfach und Maildir-Bestände aus einem alten Cyrus-Server. Zusammen waren das 2.221 Originaldateien mit 23,3 GB. Jede davon brauchte ihr eigenes Programm.
Mein Ziel war ein einziges Archiv, das ich wie ein normales Postfach im Browser durchsuchen kann. Es sollte nur bei mir zu Hause laufen, ohne Cloud und ohne einen externen Suchdienst.
Der Aufbau: zwei Container und klare Grenzen
Das Archiv besteht aus zwei Diensten auf meinem Desktop: Stalwart als Mailserver mit eingebauter Volltextsuche und Roundcube als Weboberfläche. Beide hängen in einem internen Docker-Netz ohne eigene Ports nach außen. Stalwart hat keinen SMTP-Eingang, und der Archivbenutzer darf keine Mails versenden. Roundcube blendet alle Versandfunktionen aus.
Dadurch kann das Archiv weder Mail annehmen noch versenden. Es ist ein reiner Lesesaal, und genau so sollte ein Archiv aussehen.
Was du mitnehmen kannst: Ein Archiv ist kein Postfach. Schalte alles ab, was es nicht braucht, vor allem Empfang und Versand. Was nicht lauscht, kann nicht angegriffen werden.
Warum die Message-ID keine Dubletten findet
Dieselbe Mail lag oft mehrfach vor, etwa im Posteingang von Outlook und zugleich in einer alten Thunderbird-Kopie. Naheliegend wäre, Dubletten an der Message-ID zu erkennen. Das ist aber unzuverlässig: Manche Programme vergeben sie doppelt, manche Mails haben gar keine, und gleiche Kennungen können verschiedene Inhalte tragen.
Ich habe deshalb eine Prüfsumme über den gesamten Mailinhalt gebildet. Vorher werden Zeilenenden vereinheitlicht und lokale Statuszeilen entfernt, die jedes Programm anders schreibt. Bei einer einzigen Lieferung ergaben 22.868 Mailvorkommen so 15.746 unterschiedliche Mails, der Rest waren Kopien.
Was du mitnehmen kannst: Erkenne Dubletten am Inhalt, nicht an einer Kennung, die ein Programm vergeben hat. Und normalisiere vorher, was sich zwischen Programmen ändert, ohne dass sich die Mail ändert.
Gelöscht heißt bei Thunderbird nicht gelöscht
Die größte Überraschung lag in den Thunderbird-Dateien. Thunderbird speichert einen Ordner als eine große Textdatei. Löscht man eine Mail, wird sie dort nur als gelöscht markiert. Wirklich verschwunden ist sie erst, wenn der Ordner komprimiert wird.
In meinen alten Profilen steckten so 11.588 Mails, die ich längst für gelöscht hielt. Ich habe sie importiert, aber getrennt in einem eigenen Ordner „Wiederhergestellt“ abgelegt, damit sie meine eigentliche Ablage nicht vermischen.
Was du mitnehmen kannst: Wer ein altes Thunderbird-Profil weitergibt, gibt womöglich auch gelöschte Mails weiter. Komprimiere die Ordner vorher. Und wer alte Mails sucht: Ein nicht komprimiertes Profil ist eine kleine Fundgrube.
Wenn die Quelle selbst lückenhaft ist
Nicht jede Datei hielt, was sie versprach. In einer alten Outlook-PST waren von 70 Nachrichten 69 ohne Text und ohne Datum gespeichert. Im Archiv erschienen sie deshalb zuerst mit dem Importdatum. Erst ein Blick mit einem zweiten Werkzeug in die internen Outlook-Zeitstempel ergab die echten Daten aus 2002 und 2003. Die fehlenden Texte lassen sich aus dieser Datei nicht zurückholen.
Was du mitnehmen kannst: Bewahre die Originaldateien auf, auch wenn der Import fertig ist. Ein Importdatum ist kein historisches Datum, und was in der Quelle fehlt, kann kein Werkzeug später erfinden.
Sicher, aber nicht in der Cloud
Das Archiv soll mein Haus nicht verlassen. Die Sicherung landet deshalb auf einem verschlüsselten Datenträger am selben Rechner. Sie enthält Mails, Anhänge, Ordner, Markierungen, Konfiguration und die Werkzeuge zum Wiederaufbau. Jede Sicherung habe ich in ein leeres Verzeichnis zurückgespielt und dort geprüft: Mailanzahl, Ordner, Suche und bytegleiche Stichproben.
Eine nachträgliche Lieferung mit 18.161 neuen Mails war übrigens in 38 Sekunden importiert. Die eigentliche Arbeit steckte nie im Kopieren, sondern im Prüfen.
Was du mitnehmen kannst: Eine Sicherung, die du nie zurückgespielt hast, ist eine Hoffnung. Teste die Wiederherstellung, bevor du sie brauchst. Bedenke auch: Eine Sicherung am selben Rechner schützt vor Fehlbedienung, nicht vor Feuer oder Diebstahl.
Zahlen im Überblick
- Das Archiv umfasst 120.314 Mails aus den Jahren 2000 bis 2026.
- Die Originalquellen bestanden aus 2.221 Dateien mit zusammen 23,3 GB.
- 11.588 der importierten Mails waren in Thunderbird als gelöscht markiert, aber noch in den Ordnerdateien vorhanden.
- Stalwart und Roundcube laufen ohne SMTP-Eingang, ohne Versandrecht und ohne Cloud-Dienst.
Referenzen
- Stalwart Mail Server
- Roundcube Webmail
- libpff: Werkzeuge für Outlook-PST-Dateien
- Thunderbird: Ordner komprimieren
Bemerkungen
- Inhalte einzelner Mails wurden für diesen Beitrag nicht ausgewertet; alle Zahlen stammen aus Import- und Prüfberichten.
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