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Der Buzzer: Russlands Summer auf 4625 kHz live hören

Zusammenfassung

Seit Jahrzehnten summt auf 4625 kHz ein russischer Kurzwellenkanal rund um die Uhr, bekannt als „The Buzzer“ oder unter dem falsch gelesenen Rufzeichen UVB-76. Hinter dem Summen steckt nach allem, was Funkbeobachter rekonstruiert haben, ein militärisches Führungsnetz, das zwischendurch kurze, codierte Sprachmeldungen sendet. Dieser Beitrag trennt Belegtes von Mythen und zeigt, wie man den Kanal über meinen Empfänger owrx.bk99.de selbst verfolgen kann.

UVB-76 erklärt: Was steckt hinter „The Buzzer“ auf 4625 kHz?Forgotten Adventure · 19:10Video abspielen, lädt den Player von YouTube
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Ein Summen, das nie aufhört

Wer 4625 kHz im 64-Meter-Band einstellt, hört ein raues Summen von gut einer Sekunde, dann eine Pause von etwa einer Sekunde, dann wieder das Summen, rund 21- bis 34-mal pro Minute, Tag und Nacht. Funkbeobachter deuten es als Kanalmarker: Es hält die Frequenz belegt und zeigt den Empfangsstellen, dass der Kanal bereitsteht. Eine russische Vorschrift, die das bestätigt, ist allerdings nicht öffentlich.

Der Klang war nicht immer derselbe. Eine Aufnahme vom Januar 1982 zeigt kurze, höhere Impulse, 1989 einen hohen, langsameren Ton; erst um 1990 entstand das tiefe, fast nebelhornartige Summen, das dem Kanal seinen Spitznamen gab. Gelegentlich hört man im Hintergrund Gespräche aus dem Senderaum. Das spricht dafür, dass der Ton von einem Gerät vor einem offenen Mikrofon kommt.

Die Funküberwachungsgemeinschaft führt den Kanal in der ENIGMA-2000-Liste unter der Kennung S28. Die wichtigste Fachquelle ist Priyom.org, wo Hörer seit Jahren jede Meldung dokumentieren.

Der Name ist ein Lesefehler

UVB-76 hat der Sender nie gesagt. Ab der ersten bekannten Sprachmeldung am 24. Dezember 1997 lautete die Kennung УЗБ-76, also UZB-76; im Westen wurde daraus früh UVB-76. Auch UZB-76 war kein Eigenname eines Senders, sondern ein Sammelrufzeichen für die Empfänger im Funkkreis. Russische Hörer sagen „Жужжалка“, die Summerin.

Das Sammelrufzeichen wechselte mehrmals: MDZhB ab September 2010, ZhUOZ ab Ende 2015, ANVF ab März 2019 und seit Ende 2020 NZhTI. Laut Priyom richtet der Kanal seine Meldungen 2026 an 25 verschiedene Empfänger-Rufzeichen.

Was gesendet wird

Die Sprachmeldungen liest eine Frau oder ein Mann live auf Russisch. Meist haben sie das Format, das Funkbeobachter „Monolith“ nennen: ein oder mehrere Rufzeichen aus vier Zeichen, jedes zweimal gelesen, dann eine Zahlengruppe, schließlich ein oder mehrere Codewörter mit je acht Ziffern. Ein typisches Beispiel:

NZhTI NZhTI 34 511 GOLOSOK 80 17 81 54

Das Codewort, hier „Golosok“ (Stimmchen), ist nicht wörtlich zu verstehen: Ohne die zugehörigen Schlüssel und Tabellen bleibt offen, was eine Meldung für den Empfänger bedeutet. Der Aufbau dagegen ist gut bekannt. Der Name passt in die Praxis des sowjetischen Militärfunks, wo „Monolit“ nach den Stufen Samoljot, Raketa und Wostok als höchste Dringlichkeitsstufe galt; eine direkte Verbindung zum Buzzer belegt das nicht.

Die meisten Meldungen kommen werktags tagsüber nach Moskauer Zeit (UTC+3). Zwei seltenere Formate, „Uzor“ und reine Befehlsmeldungen („Объявлена команда“, Kommando ausgerufen), tauchen laut Priyom seit 2022 auf diesem Kanal nicht mehr auf.

Kein Sender, sondern ein Netz

Lange galt Powarowo nordwestlich von Moskau als Standort; Funkbeobachter ordnen die dortige, heute verlassene Anlage dem Kanal bis 2010 zu. Im September 2010 folgte der deutlichste Umbruch: neues Sammelrufzeichen, Tests, Unterbrechungen, zur selben Zeit, als Russland den Moskauer und den Leningrader Militärbezirk im neuen Westlichen Militärbezirk zusammenlegte. Ein offizieller Beleg für den Zusammenhang fehlt.

Seitdem zeigt sich ein Netz statt eines einzelnen Senders: Gesteuert wird laut Priyom von einem Fernmeldeknoten bei Agalatowo nördlich von Sankt Petersburg, gesendet von wechselnden Kurzwellenstandorten, darunter zeitweise Kerro nördlich von Sankt Petersburg und Naro-Fominsk südwestlich von Moskau. Nachdem ein Präsidialerlass vom 26. Februar 2024 die Bezirke Moskau und Leningrad wieder eingerichtet hat, ordnet die Funkbeobachtung den Buzzer heute dem Leningrader Militärbezirk zu.

Mythen: Tote Hand und Forschungssender

Am hartnäckigsten hält sich die Behauptung, der Buzzer gehöre zum sowjetischen Reserveführungssystem Perimetr, im Westen „Tote Hand“ genannt, und sein Verstummen löse einen atomaren Gegenschlag aus. Perimetr gab es wirklich, eine belegte Verbindung zum 4625-kHz-Netz aber nicht. Dagegen spricht schon die Praxis: Der Kanal fiel immer wieder aus, wurde gewartet und zeitweise abgeschaltet, ohne dass etwas geschah.

Eine zweite Theorie sieht einen Forschungssender. Tatsächlich beschreibt eine Veröffentlichung des geophysikalischen Observatoriums Borok Dopplermessungen der Ionosphäre mit einem stabilen Signal auf 4,625 MHz. Das zeigt aber nur, dass man ein vorhandenes Signal zum Messen nutzen kann, nicht, dass der Buzzer dafür betrieben wird.

Auf der Frequenz ist trotzdem einiges los: Im September 2010 lief statt des Summens kurz Tschaikowskis Schwanensee, im Januar 2022 tauchten Bilder auf, die nur im Wasserfalldiagramm sichtbar waren, und Piraten spielen immer wieder Musik darüber. Solche Einlagen stammen meist nicht vom Betreiber.

Selbst hören über owrx.bk99.de

Auf meinem öffentlichen Empfänger owrx.bk99.de gibt es dafür ein eigenes Profil. So geht es:

  1. owrx.bk99.de öffnen und auf „Start OpenWebRX+“ klicken, damit der Browser Ton abspielen darf.
  2. Rechts im Empfängerfeld im Auswahlmenü das Profil „4,625MHz - UVB-76 Buzzer (AM)“ wählen.
  3. 4625,0 kHz einstellen und USB wählen. Mit Träger klingt der Buzzer auch in AM; zeitweise sendet er aber ohne Träger, dann hilft nur USB.

Der direkte Link setzt Frequenz und Betriebsart nur, wenn das Buzzer-Profil schon aktiv ist. Der Empfänger ist ein einzelner SDR-Stick mit 38 Profilen und höchstens vier gleichzeitigen Hörern; wer das Profil wechselt, wechselt es für alle. Die Zahl der Clients unten im Fenster zeigt, ob gerade jemand anderes zuhört.

Tagsüber schluckt die untere Ionosphäre Kurzwelle um 4,6 MHz weitgehend. In Deutschland ist der Buzzer vor allem ab dem Abend gut zu hören, bleibt über Nacht klar und verschwindet um den Sonnenaufgang. Von Meerane sind es bis Sankt Petersburg rund 1.500 Kilometer Luftlinie, bis in den Raum Moskau rund 1.700. Sprachmeldungen kommen dagegen meist tagsüber; wer beides will, versucht es am besten in den dunklen Monaten am späten Nachmittag.

Zahlen im Überblick

  • Frequenz 4625 kHz, Wellenlänge 64,8 m, heute meist oberes Seitenband (USB), teils mit, teils ohne Träger.
  • Summton etwa 1,2 Sekunden, Pause 1 bis 1,3 Sekunden, 21 bis 34 Töne pro Minute.
  • Älteste erhaltene Aufnahme des Markers: Januar 1982; erste bekannte Sprachmeldung: 24. Dezember 1997.
  • Sammelrufzeichen seit Ende 2020: NZhTI; laut Priyom 25 Empfänger-Rufzeichen im Jahr 2026.
  • Entfernung von Meerane nach Sankt Petersburg rund 1.500 km, in den Raum Moskau rund 1.700 km.

Referenzen

Bemerkungen

  • Das eingebettete Video „UVB-76 erklärt“ von Forgotten Adventure (Reihe Kalter Krieg Kompakt, 18.10.2026) trennt sorgfältig zwischen Belegtem und Vermutetem und war eine wichtige Grundlage für diesen Beitrag.
  • Den Empfänger owrx.bk99.de betreibe ich mit OpenWebRX+ (Version 1.2.126 am 20.10.2026). Er ist ein Gemeinschaftsgerät: Bitte nach dem Hören nichts dauerhaft verstellen, andere nutzen zum Beispiel das ADS-B-Profil für Flugzeugdaten.
  • Angaben zu Betreiber, Standorten und Zuordnung beruhen auf jahrzehntelanger Funkbeobachtung, nicht auf offiziellen russischen Angaben. Das deutschsprachige UTDX-Wiki wurde zuletzt 2021 bearbeitet und nennt teils ältere Stände.

Den Buzzer auf owrx.bk99.de hören