Post von der ISS: SSTV-Bilder mit Raspberry Pi und Magnetfußantenne
Zusammenfassung
Vom 2. Oktober bis zum 6. Oktober 2026 sendet die Internationale Raumstation im Rahmen von ARISS Series 33 zwölf Bilder per SSTV auf 437,550 MHz. Ich habe sie in Meerane mit einem Raspberry Pi, einem RTL-SDR-Stick, einer einfachen Magnetfußantenne und OpenWebRX+ empfangen, beim ersten brauchbaren Überflug kamen zwei Bilder sauber an. Entscheidend war nicht die Antenne, sondern ein kleines Skript, das die Frequenz während des Überflugs nachführt und die Bilder selbst speichert.
Was da oben gesendet wird
ARISS steht für Amateur Radio on the International Space Station. Das Programm bringt Schulen per Funk mit der Besatzung zusammen und betreibt die Amateurfunkstation an Bord. Mehrmals im Jahr schaltet das Team einen SSTV-Sender ein, diesmal unter dem Motto „Student Education“. Auf der Seite Upcoming SSTV events stehen Beginn und Ende in UTC, die Frequenz und das Bildformat, dort werden auch Unterbrechungen angekündigt.
SSTV steht für Slow Scan Television: Ein Bild wird als Tonfolge übertragen, Zeile für Zeile, ganz ähnlich wie bei einem Fax. Die ISS nutzt das Verfahren Robot 36. Ein Bild mit 320 × 240 Punkten dauert 36 Sekunden, danach folgen zwei Minuten Pause, dann kommt das nächste.
Zum Empfang braucht man kein Funkgerät. Jeder SDR-Stick, der 70 cm empfangen kann, reicht aus.
Mein Empfänger
Bei mir läuft seit Mai 2025 ein Raspberry Pi 3 B+ mit einem SDR-Stick. Angefangen habe ich mit einem Nooelec NESDR SMArt v5 (Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalte ich eine kleine Provision, der Preis ändert sich für dich nicht), heute steckt dort ein RTL-SDR Blog V4. Beide arbeiten mit dem bekannten RTL2832U-Chip.
Als Antenne hängt eine Albrecht AE-Skyscan Mag 1300 (Affiliate-Link) dran, eine 64 cm lange Scannerantenne mit Magnetfuß für 25 bis 1300 MHz, mit 4 m RG-58-Kabel. Keine Richtantenne, keine mechanische Nachführung.
Auf dem Pi läuft OpenWebRX+ im Docker-Container, öffentlich erreichbar unter owrx.bk99.de. Für die ISS habe ich ein eigenes Profil angelegt: 437,550 MHz, Schmalband-FM, der SSTV-Decoder ist in OpenWebRX+ schon eingebaut. Die Mitte des Empfangsbereichs liegt bewusst 150 kHz neben dem Signal. Viele RTL-SDR-Sticks haben genau in der Mitte eine Störspitze, und die will man nicht auf dem Nutzsignal haben.

Das eigentliche Problem: Doppler
Die ISS fliegt mit rund 7,7 km/s. Kommt sie auf mich zu, liegt das Signal etwa 10 kHz höher, entfernt sie sich, entsprechend tiefer. Das FM-Filter in OpenWebRX+ ist aber nur ±4 kHz breit. Wer nicht nachstimmt, hat das Signal also nur kurz um den höchsten Punkt im Filter.
Am schlimmsten ist es genau dort, wo der Empfang am besten ist. Beim Überflug am Mittag lief die erste vollständige Bildsendung genau durch den höchsten Punkt. In diesen 36 Sekunden wanderte die Frequenz um 4,3 kHz, also mehr als die halbe Filterbreite. Im Browser, fest auf 437,550 MHz und ohne automatische Nachführung, kam das Bild zwar an, aber mit vielen Störungen.

Was du mitnehmen kannst: Bei Satelliten im niedrigen Orbit ist die Nachführung der Frequenz wichtiger als ein paar dB mehr an der Antenne.
Ein Skript statt Mausklicks
Dazu kam eine Überraschung. OpenWebRX+ speichert SSTV-Bilder nur, wenn der Decoder als Hintergrunddienst läuft. Was im Browser dekodiert wird, existiert nur im Browserfenster.
Also habe ich ein kleines Python-Skript geschrieben. Es meldet sich wie ein normaler Besucher per WebSocket bei OpenWebRX+ an, stellt FM und SSTV ein und rechnet jede Sekunde aus den aktuellen Bahndaten von CelesTrak die Dopplerverschiebung aus. Dafür nutze ich die Python-Bibliothek Skyfield. Die korrigierte Frequenz geht an den Empfänger, und jede dekodierte Bildzeile landet in einer PNG-Datei. An der Konfiguration von OpenWebRX+ musste ich dafür nichts ändern.
Gestartet wird das Skript drei Minuten vor dem Überflug über einen einmaligen systemd-Timer, vorher holt es frische Bahndaten.
Das Skript gibt es hier zum Herunterladen: iss_sstv_capture.py. Es braucht Python 3 mit websockets, Pillow und Skyfield. Die Adresse des eigenen OpenWebRX+, der Standort und die Bahndaten werden beim Aufruf übergeben, die Anleitung steht oben in der Datei.
Das Ergebnis
Beim Überflug am 2. Oktober um 13:25 Uhr kamen zwei Bilder vollständig an. Um 13:30:04 Uhr, die ISS fast am höchsten Punkt, Slide 1 von 12: italienische Schüler stellen auf ihrem Schulhof den Schriftzug „ARISS“ nach. Um 13:32:43 Uhr, die ISS nur noch etwa 15 Grad über dem Horizont, Slide 2 von 12: „ARISS-EA Virtual IORS“.


Der direkte Vergleich von Slide 1 zeigt den Unterschied: gleiche Sendung, gleiche Antenne, gleicher Stick. Mit Nachführung ist das Bild sauber, ohne Nachführung voller Streifen.
Slide 2 hat mich mehr überrascht. Die ISS war da schon 1300 bis 1550 km entfernt und stand nur noch 10 bis 14 Grad über dem Horizont, trotzdem ist das Bild kaum schlechter. Weit weg ändert sich die Dopplerverschiebung kaum noch, während der ganzen Sendung nur um 0,2 kHz. Laut ARISS sendet die ISS mit zehn Watt. Aus 1500 km reicht das für eine Magnetfußantenne, wenn die Frequenz stimmt.
Eine Sendung kurz nach dem Aufgang war im Browser zu sehen, das Skript hat sie verpasst. Warum, weiß ich noch nicht.
Was du mitnehmen kannst
- Die ISS sendet SSTV mehrmals im Jahr. Die Termine stehen auf der ARISS-Seite, oft nur mit wenigen Tagen Vorlauf.
- Ein Raspberry Pi mit RTL-SDR-Stick und eine einfache Scannerantenne reichen für den Empfang. Wichtiger als teure Technik ist die Frequenznachführung.
- Wer OpenWebRX+ nutzt und Bilder behalten will: im Browser mit Klick aufs Bild sichern, oder den Hintergrunddienst bzw. ein eigenes Skript nutzen.
- Hohe Überflüge über 50 Grad bringen die besten Chancen. Bei einem Überflug von acht bis zehn Minuten sind drei Bilder drin.
- Empfangene Bilder kann man in der ARISS-SSTV-Galerie hochladen, dafür gibt es eine Urkunde zum jeweiligen Event.
Zahlen im Überblick
- ARISS Series 33 sendet vom 2. Oktober 2026, 9:00 UTC, bis 6. Oktober 2026, 15:55 UTC, auf 437,550 MHz im Format Robot 36.
- Ein Robot-36-Bild hat 320 × 240 Bildpunkte und dauert 36 Sekunden, danach folgen rund zwei Minuten Pause.
- Die Dopplerverschiebung auf 437,550 MHz erreicht beim Überflug bis zu ±10 kHz.
- Während Slide 1 änderte sich die Empfangsfrequenz in 36 Sekunden um 4,3 kHz, während Slide 2 nur um 0,2 kHz.
Referenzen
- ARISS: Upcoming SSTV events
- ARISS SSTV Gallery
- OpenWebRX+ (luarvique)
- Skyfield, Python-Bibliothek für Bahnberechnungen
- CelesTrak, aktuelle Bahndaten
Bemerkungen
- Das Mitschnittskript belegt einen der vier Hörerplätze von owrx.bk99.de und schaltet zum Überflug auf das ISS-Profil um, auch wenn gerade jemand anderes zuhört.
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