Hyperbola wechselt von GNU/Linux zu OpenBSD
Zusammenfassung
Ende 2019 kündigte Hyperbola GNU/Linux, eine von der FSF als vollständig frei anerkannte Distribution, einen harten Fork von OpenBSD an. Unter dem Namen HyperbolaBSD sollte ein neues Betriebssystem entstehen, dessen GPL-inkompatible und unfreie Teile durch neuen Code unter GPLv3 und LGPLv3 ersetzt werden. Als Gründe nannte das Projekt unter anderem DRM im Linux-Kernel, geplanten Rust-Code und erzwungene Abhängigkeiten wie systemd und PulseAudio.
Die Begründung
Hyperbola basierte ursprünglich auf Arch Linux und Debian und hatte schon 2017 systemd aufgegeben. Das Projekt sah die Freiheit der Nutzer zunehmend bedroht: Der Kernel unterstütze Kopierschutz wie HDCP, Rust bringe eine zentrale Paketquelle mit, die Internetzugang voraussetze, und viele Werkzeuge erlaubten nicht mehr, unerwünschte Funktionen beim Bauen abzuschalten. Auch die Sicherheitsarbeit am Kernel bewertete das Projekt kritisch.
Statt einer weiteren Distribution sollte HyperbolaBSD ein eigenständiges System werden, modular und minimalistisch, damit andere Projekte den Code unter freier Lizenz wiederverwenden können.
Warum das interessant ist
Die Ankündigung zeigt den Kern vieler Debatten in der Linux-Welt: Wie viel Komplexität und welche Abhängigkeiten sind für ein freies System akzeptabel? Bemerkenswert ist der Weg: Ausgerechnet OpenBSD, dessen Code überwiegend unter der freizügigen ISC- und BSD-Lizenz steht, sollte die Grundlage für ein strikt GPL-lizenziertes System werden. Ob sich der Aufwand lohnt, ein komplettes Betriebssystem mit einem kleinen Team zu pflegen, war von Anfang an die offene Frage.
Ideen
- Ein harter Fork übernimmt Kernel und Benutzerumgebung und entwickelt sie unabhängig weiter.
- Unfreie oder GPL-inkompatible Teile werden durch neu geschriebenen Code ersetzt.
- Modularer, minimalistischer Aufbau soll die Wiederverwendung erleichtern.
Einsichten
- Debatten über Freiheit drehen sich oft um Abhängigkeiten, nicht um Lizenzen allein.
- Ein komplettes Betriebssystem zu pflegen ist für kleine Teams eine enorme Aufgabe.
Fakten
- Hyperbola ist von der FSF als vollständig freie Distribution anerkannt.
- Hyperbola stellte die Unterstützung für systemd 2017 ein.
- Neuer Code für HyperbolaBSD sollte unter GPLv3 und LGPLv3 stehen.
Referenzen
Bemerkungen
- Den aktuellen Stand von HyperbolaBSD geben die verlinkten Quellen nicht wieder.
Empfehlungen
- Prüfe bei der Wahl einer Distribution, welche Abhängigkeiten sie erzwingt und wie gut sie gepflegt wird.
- Unterscheide bei Lizenzdebatten zwischen grundsätzlichen Freiheitsfragen und Geschmacksfragen.
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