Staatstrojaner-Hersteller verliert angeblich eigene Malware
Zusammenfassung
Martin Münch von der Gamma Group erklärte 2012 der New York Times, die bei Regimekritikern gefundene Überwachungssoftware FinSpy sei nicht verkauft, sondern von den eigenen Servern gestohlen worden. Felix von Leitner nannte das die schlechteste Ausrede aller Zeiten. Ein Hersteller von Staatstrojanern, dem die eigene Software gestohlen wird, empfiehlt sich kaum als vertrauenswürdiger Lieferant.
Worum es ging
FinFisher, auch FinSpy genannt, war eine kommerzielle Überwachungssoftware der Gamma Group, die Behörden auf Computern und Telefonen von Zielpersonen installieren konnten, um Kommunikation, Passwörter und Dateien mitzulesen. Forscher des Citizen Lab an der Universität Toronto hatten FinSpy auf Rechnern von Aktivisten unter anderem in Bahrain gefunden. Das widersprach der Darstellung, die Software werde nur an westliche Rechtsstaaten verkauft.
Die Ausrede, die Software sei gestohlen worden, verschob das Problem nur: Entweder wurde an Unterdrückungsstaaten geliefert, oder der Hersteller konnte seine eigene, angeblich streng kontrollierte Software nicht schützen.
Was daraus wurde
2014 wurde Gamma tatsächlich gehackt, und rund 40 GB interner Daten, darunter Kundenkommunikation und Quellcode, wurden veröffentlicht. In Deutschland ermittelten Behörden später wegen des Verdachts auf illegalen Export. Die FinFisher GmbH meldete 2022 Insolvenz an. Der Fall gilt als Lehrstück für die Risiken des Marktes für staatliche Spähsoftware.
Ideen
- Kommerzielle Spähsoftware wird an Behörden verkauft und auf Geräten von Zielpersonen installiert.
- Unabhängige Forschung kann den Einsatz solcher Software bei Aktivisten nachweisen.
- Wer Angriffswerkzeuge herstellt, muss diese selbst besonders gut schützen.
Einsichten
- Behauptete Exportkontrollen sind wenig wert, wenn die Software dennoch bei Unterdrückungsstaaten auftaucht.
- Ein Hersteller, der seine eigene Infrastruktur nicht schützen kann, gefährdet auch seine Kunden.
Fakten
- Die New York Times berichtete im August 2012 über FinSpy bei Regimekritikern.
- 2014 wurden rund 40 GB interner Daten der Gamma Group veröffentlicht.
- Die FinFisher GmbH meldete 2022 Insolvenz an.
Referenzen
Bemerkungen
- Der Begriff Staatstrojaner bezeichnet Software, mit der Behörden heimlich auf Geräte zugreifen.
Empfehlungen
- Halte Betriebssystem und Apps aktuell, denn Spähsoftware nutzt meist bekannte oder neue Lücken.
- Wer besonders gefährdet ist, sollte Beratung bei spezialisierten Organisationen wie Citizen Lab oder Access Now suchen.
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