Stuxnet: Der Angriff endet nicht am Windows-Rechner
Zusammenfassung
Brian Krebs berichtet im September 2010, dass der Wurm Stuxnet neben der Lücke bei Windows-Verknüpfungen mindestens drei weitere, bis dahin unbekannte Windows-Schwachstellen nutzt. Microsoft schloss am selben Tag die Lücke in der Druckerwarteschlange, zwei Rechteausweitungen waren noch offen. Joe Weiss betont, dass das eigentliche Ziel Siemens-Steuerungen sind, deren eingeschleusten Code Stuxnet vor Programmierern verbirgt.
Wie die Lücken geschlossen wurden
Die Verknüpfungslücke CVE-2010-2568 schloss Microsoft am 2. August 2010 mit MS10-046; die Symboldarstellung einer präparierten LNK-Datei reichte, um Code auszuführen, etwa beim Öffnen eines USB-Sticks im Explorer. Die Druckerwarteschlange folgte am 14. September mit MS10-061. Die Rechteausweitung über Tastaturlayouts, CVE-2010-2743, deren CVE-Eintrag Stuxnet ausdrücklich nennt, schloss MS10-073 im Oktober 2010.
Dazu kam eine Lücke, die Microsoft schon 2008 behoben hatte. Roel Schouwenberg von Kaspersky erklärt im Artikel, warum Stuxnet sie trotzdem mitbrachte: In Steuerungsnetzen fehlten oft Intrusion Detection und Protokollierung, und Stuxnet setzte die alte Lücke nur ein, wenn es kein Firmennetz vermutete.
Was ICS-CERT früh festhielt
Das ICS-CERT beschrieb im Juli 2010 die beiden Treiber mrxnet.sys und mrxcls.sys, signiert mit einem Zertifikat von Realtek, das im Juni 2010 abgelaufen war; VeriSign widerrief es. Ein weiterer CVE-Eintrag, CVE-2010-2772, betrifft ein fest eingebautes Passwort in Siemens WinCC und PCS 7, das Stuxnet für den Zugriff auf die Datenbank nutzte.
Ideen
- Stuxnet kombinierte mehrere unbekannte Windows-Lücken in einem Angriff.
- USB-Sticks und Druckerfreigaben dienten als Verbreitungswege.
- Gültige Signaturen bekannter Hersteller tarnten die Treiber.
- Stuxnet prüfte, ob es in einem Firmen- oder Steuerungsnetz lief.
- Fest eingebaute Herstellerpasswörter öffneten den Weg zur Steuerung.
- Eingeschleuster SPS-Code blieb für Programmierer unsichtbar.
Einsichten
- Die Windows-Lücken waren nur das Mittel, die Steuerung war das Ziel.
- Steuerungsnetze ohne Protokollierung lassen auch alte Angriffe unbemerkt.
- Signaturen beweisen Herkunft, nicht Absicht, wenn private Schlüssel gestohlen sind.
Zitate
- The really scary thing is that right now we don’t even know which controllers are trusted and which ones aren’t trusted. (Joe Weiss)
Fakten
- Microsoft schloss die Verknüpfungslücke CVE-2010-2568 am 2. August 2010 mit MS10-046.
- MS10-061 vom 14. September 2010 behebt die Lücke in der Druckerwarteschlange.
- Der CVE-Eintrag zu CVE-2010-2743 nennt Stuxnet; Microsoft schloss die Lücke mit MS10-073.
- CVE-2010-2772 beschreibt ein fest eingebautes Passwort in Siemens WinCC und PCS 7.
- Laut ICS-CERT trugen die Stuxnet-Treiber eine Realtek-Signatur, deren Zertifikat VeriSign widerrief.
Referenzen
- Brian Krebs: Stuxnet Worm Far More Sophisticated Than Previously Thought
- MS10-061: Microsoft-Update für die missbrauchte Druckerwarteschlange.
- Siemens SCADA und PLC: Zielumgebung des beschriebenen Schadcodes.
- Microsoft MS10-046: Vulnerability in Windows Shell (CVE-2010-2568)
- Microsoft MS10-073: Vulnerabilities in Windows Kernel-Mode Drivers
- ICS-CERT: ICSA-10-201-01C USB Malware Targeting Siemens Control Software
- CVE-2010-2772: Siemens WinCC hard-coded password
Bemerkungen
- Der Artikel entstand, bevor Ziel und Urheberschaft geklärt waren; Siemens nannte damals mindestens 14 infizierte Anlagen ohne Produktionsausfall, die meisten Infektionen lagen im Iran.
Empfehlungen
- Trenne Steuerungsnetze von Büronetzen und protokolliere den Verkehr dazwischen.
- Ersetze fest eingebaute Herstellerpasswörter oder sperre sie auf Netzebene ab.
- Lass Wechseldatenträger in Produktionsumgebungen nur über eine Prüfstation zu.
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