CCC-Hacker brechen die Sicherheit von DECT-Telefonen
Zusammenfassung
Auf dem Chaos Communication Congress 25C3 Ende 2008 zeigte die Gruppe dedected.org, wie sich DECT-Funk mit einer PC-Karte für rund 23 Euro abhören lässt. DECT steckte damals in Hunderten Millionen Geräten, von schnurlosen Telefonen über Kartenterminals bis zu Türöffnern. Viele davon verschlüsselten gar nicht oder ließen sich dazu bringen, die Verschlüsselung abzuschalten.
Was gezeigt wurde
Die Forscher bauten eine handelsübliche DECT-Karte für Notebooks per eigener Software zu einem Empfänger um, der Gespräche mitschneiden konnte. Teure Messtechnik war dafür nicht nötig. Damit wurde aus einem theoretischen Risiko ein praktischer Angriff, den jeder mit etwas Technikverständnis nachbauen konnte.
Besonders brisant war, dass sich ein Angreifer als Basisstation ausgeben und Mobilteile dazu bringen konnte, unverschlüsselt zu funken. Der DECT-Standard hatte sich zudem auf geheim gehaltene Verfahren verlassen, deren Schwächen erst durch Nachbau und Analyse sichtbar wurden.
Warum das wichtig war
Schnurlose Telefone galten im Alltag als sicher, und kaum jemand dachte darüber nach, dass Gespräche über Funk gehen. Dasselbe galt für Kartenterminals und Zugangssysteme. Die Veröffentlichung zwang Hersteller und Normungsgremium zum Handeln.
Was daraus wurde
Als Reaktion entstand die Zertifizierung DECT Security mit Pflicht zur Verschlüsselung und verbesserten Verfahren. Neuere Geräte unterstützen sie, ältere Telefone blieben oft jahrelang im Einsatz. Das Ereignis gilt als Lehrstück dafür, dass Sicherheit durch Geheimhaltung nicht trägt.
Ideen
- Günstige Standardhardware genügt, um verbreitete Funkprotokolle zu analysieren.
- Eine gefälschte Basisstation kann Endgeräte zu schwächeren Betriebsarten zwingen.
- Offenlegung von Schwächen setzt Hersteller unter Druck, Standards zu verbessern.
Einsichten
- Geheim gehaltene Verfahren verzögern die Entdeckung von Schwächen, verhindern sie aber nicht.
- Weit verbreitete Alltagsgeräte bleiben lange im Einsatz, auch wenn sie unsicher sind.
Fakten
- Die Ergebnisse wurden auf dem 25C3 im Dezember 2008 vorgestellt.
- Die genutzte PC-Karte kostete rund 23 Euro.
- DECT wurde in Hunderten Millionen Geräten genutzt, darunter Telefone, Bezahlterminals und Türöffner.
Referenzen
Bemerkungen
- Heise Security berichtete zuerst auf Deutsch, eine englische Fassung folgte kurz darauf.
Empfehlungen
- Achte bei schnurlosen Telefonen auf das Siegel DECT Security und tausche sehr alte Geräte aus.
- Führe vertrauliche Gespräche nicht über alte Schnurlostelefone.
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