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Ballmer: „Linux ist ein Krebsgeschwür“

Zusammenfassung

Am 1. Juni 2001 nannte Microsoft-Chef Steve Ballmer in einem Interview mit der Chicago Sun-Times Linux ein Krebsgeschwür, das sich im Sinne geistigen Eigentums an alles hefte, was es berührt. Gemeint war die GPL, die nach Ballmers Darstellung jede Software öffne, die Open Source verwendet. The Register zerlegte die Aussage am Folgetag als bewusste Verzerrung der Lizenz.

Was Ballmer meinte und was die GPL sagt

Ballmer behauptete, wer irgendeine Open-Source-Software verwende, müsse auch den Rest seiner Software offenlegen. Die GPL verlangt das aber nur für Werke, die als Ganzes auf GPL-Code aufbauen, nicht für eigenständige Programme, die daneben laufen. The Register zitierte die einschlägige Passage der Lizenz und räumte ein, dass sie unglücklich formuliert sei, aber keineswegs Ballmers Lesart stütze.

Im selben Interview warnte Ballmer davor, öffentliche Gelder in Open Source zu stecken, und warb für Microsofts neue Produktaktivierung und Lizenzmodelle. The Register las das als Vorbereitung auf ein Mietmodell für Software.

Ideen

  • Angst vor Lizenzen ist ein wirksames Mittel gegen Konkurrenz.
  • Die GPL betrifft abgeleitete Werke, nicht alles auf demselben Rechner.
  • Lizenztexte sollte man lesen, statt sich auf Zusammenfassungen zu verlassen.
  • Aussagen von Wettbewerbern über Lizenzen sind keine Rechtsberatung.

Einsichten

  • Das Zitat steht für eine Phase, in der Microsoft Linux als Bedrohung bekämpfte; ab 2014 vollzog das Unternehmen eine Kehrtwende, trat 2016 der Linux Foundation bei und liefert Linux heute selbst aus, etwa im Windows-Subsystem für Linux.
  • Die Frage, wann Software ein abgeleitetes Werk ist, beschäftigt Juristen bis heute; die Unsicherheit war der eigentliche Hebel der Kampagne.

Fakten

  • Das Interview mit der Chicago Sun-Times erschien am 1. Juni 2001, der Register-Artikel am 2. Juni 2001.
  • Ballmers Satz lautete: „Linux is a cancer that attaches itself in an intellectual property sense to everything it touches.“
  • Microsoft trat im November 2016 der Linux Foundation bei.

Referenzen

Bemerkungen

  • Der Register-Artikel ist ein Kommentar mit spitzer Feder und kein neutraler Bericht.

Empfehlungen

  • Bei Unsicherheit über die GPL die FAQ der Free Software Foundation lesen, bevor man Code einbindet.
  • In Firmen klare Regeln aufstellen, welche Lizenzen in welchen Produkten erlaubt sind.

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