Freie Software und Open Source bedeuten nicht dasselbe
Zusammenfassung
Kevin Bedell argumentierte Ende 2004 bei LinuxWorld, die getrennten Begriffe Freie Software und Open Source hätten keinen praktischen Nutzen mehr. Ein führender Vertreter der Open-Source-Bewegung schrieb Bedell, der Unterschied sei weder technisch noch sozial, es gehe um dieselben Lizenzen und dieselben Entwickler. Der Unterschied liege allein in der Haltung: Moral und Überzeugung bei Freier Software, Ergebnisse und Verhalten bei Open Source.
Zwei Begriffe, eine Sache?
Freie Software geht auf Richard Stallman und die Free Software Foundation zurück, gegründet 1985. Im Mittelpunkt stehen vier Freiheiten: Programme ausführen, untersuchen, verändern und weitergeben dürfen. Der Begriff Open Source entstand 1998, um dieselbe Idee für Unternehmen ohne moralischen Anspruch verständlich zu machen; im selben Jahr wurde die Open Source Initiative gegründet.
Praktisch erfüllen fast alle Lizenzen beide Definitionen. Die Debatte dreht sich daher weniger um Code als um Ziele: Geht es um die Freiheit der Nutzer als Wert an sich, oder um ein besseres Entwicklungsmodell?
Warum die Frage nicht verschwunden ist
Bedells Vorschlag, die Begriffe zusammenzulegen, setzte sich nicht durch. Die Unterscheidung wird immer dann wieder wichtig, wenn Code zwar einsehbar ist, Nutzer aber nicht frei damit umgehen dürfen, etwa bei Lizenzen, die bestimmte Nutzungen verbieten. Wer Software bewertet, sollte deshalb auf die tatsächlichen Rechte achten, nicht auf das Etikett.
Ideen
- Freie Software betont die Freiheit der Nutzer als ethischen Wert.
- Open Source betont die praktischen Vorteile offener Entwicklung.
- Dieselben Lizenzen und Entwickler stehen meist hinter beiden Begriffen.
Einsichten
- Begriffe transportieren Ziele, auch wenn der Code derselbe ist.
- Einsehbarer Code allein garantiert noch keine Nutzungsfreiheit.
Fakten
- Die Free Software Foundation wurde 1985 gegründet.
- Der Begriff Open Source wurde 1998 geprägt, im selben Jahr entstand die Open Source Initiative.
- Bedells Beitrag erschien Ende Dezember 2004 bei LinuxWorld.
Referenzen
Bemerkungen
- Als Sammelbegriff haben sich FOSS und FLOSS etabliert; die Debatte flammt bei Lizenzen mit Nutzungsbeschränkungen regelmäßig wieder auf.
Empfehlungen
- Prüfe bei Software die konkreten Rechte der Lizenz statt dich auf Begriffe wie offen oder frei zu verlassen.
- Wähle für eigene Projekte eine Lizenz, die von FSF und OSI anerkannt ist.
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