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Deep Blue schlägt Kasparow: Rechenkraft gegen Weltmeister

Zusammenfassung

Am 11. Mai 1997 verlor Schachweltmeister Garri Kasparow in New York einen Wettkampf über sechs Partien gegen IBMs Rechner Deep Blue, der mit 32 Prozessoren 200 Millionen Stellungen pro Sekunde bewertete. Erstmals unterlag damit ein amtierender Weltmeister einem Computer unter regulären Turnierbedingungen. IBM erzählt die Geschichte als Durchbruch für Supercomputer und künstliche Intelligenz, technisch war Deep Blue vor allem ein Triumph spezialisierter Hardware und roher Rechenkraft.

Vom ersten Schachprogramm zum Weltmeister

IBM-Mathematiker Alex Bernstein schrieb 1957 das erste vollständige Schachprogramm, auf einer IBM 704 mit 42.000 Befehlen pro Sekunde. Ab 1985 entwickelte Feng-hsiung Hsu an der Carnegie Mellon University die Schachmaschine ChipTest; 1989 holte IBM ihn und Murray Campbell in die Forschung, das Projekt hieß fortan Deep Blue, in Anspielung auf den Spitznamen Big Blue.

Im Februar 1996 gewann Deep Blue in Philadelphia die erste Partie gegen Kasparow, verlor den Wettkampf aber. Für die Revanche im Mai 1997 verbesserte das Team Endspieldatenbanken und Bewertungsfunktion und holte Großmeister als Berater. Kasparow gewann die erste Partie, Deep Blue die zweite, drei endeten remis, und Deep Blue entschied die sechste Partie für sich.

Ideen

  • Rohe Rechenkraft kann Aufgaben lösen, die als Domäne menschlicher Intuition galten.
  • Spezialisierte Hardware schlägt Universalrechner bei eng umrissenen Aufgaben.
  • Ein öffentlicher Wettkampf macht Technik für alle verständlich.
  • Endspieldatenbanken und Bewertungsfunktion waren wichtiger als neue Theorie.

Einsichten

  • Deep Blue lernte nicht, sondern durchsuchte: Der Sieg zeigt, wie weit gezielte Suche mit viel Rechenleistung trägt, nicht wie Maschinen denken. Lernende Systeme wie AlphaZero gingen zwei Jahrzehnte später einen anderen Weg.
  • Der Wettkampf war auch Marketing: IBM zog Deep Blue danach zurück, die Technik floss in Supercomputer wie Blue Gene.

Fakten

  • Die Rechenleistung lag bei 11,38 Milliarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde.
  • Der Wettkampf 1997 endete 3,5 zu 2,5 für Deep Blue.
  • Nach dem Sieg kam Deep Blue in die Smithsonian Institution in Washington.

Referenzen

Kritik

  • Die IBM-Seite ist eine Erfolgsgeschichte aus eigener Feder: Dass Kasparow nach dem Wettkampf menschliche Eingriffe vermutete und IBM eine weitere Revanche ablehnte, erwähnt sie nicht.

Bemerkungen

  • Kasparow sagte nach dem Wettkampf laut IBM: „The computer is far stronger than anybody expected.“

Empfehlungen

  • Für den Vergleich mit heutiger Spiel-KI die Arbeiten zu AlphaZero lesen, das Schach ohne menschliches Vorwissen lernte.
  • Bei Rechenleistung immer fragen, wofür sie optimiert ist: Deep Blue konnte nur Schach.

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